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Der Film
  

Die Regisseurin Cornelia Thau hat über mehrere Jahre vier Kinder und ihre Familien mit der Kamera begleitet. Das Besondere an diesen vier  Lebensgeschichten:
 
Jörg, Carina, Anica und Finnian kamen in den Jahren 1969, 1985, 1994 und 2002 mit dem Down-Syndrom zur Welt. Mit ihrem Dokumentarfilm lässt Cornelia Thau die Zuschauer teilhaben an dem, was sie in der gemeinsamen Zeit erfahren, beobachten und miterleben konnte.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 1200 Kinder mit der Chromosomenanomalie Trisomie 21 geboren. Noch in den 60er Jahren las man in Lehrbüchern, dass „mongoloide Kinder zu grobem Schwachsinn neigen“. Den Eltern dieser Generation war es selbst überlassen, ob sie sich diesem fatalen Urteil fügten oder stattdessen nach einem individuellen Weg für ihr Kind suchten. Die folgenden Jahrzehnte brachten mehr Informationen für die Eltern, neue Förderkonzepte und bedeutend bessere medizinische Versorgung für die Kinder - und vor allem erkannte man die Fähigkeiten und Qualitäten von Menschen mit Trisomie 21. Aber nach wie vor markiert die Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom einen Wendepunkt in der Geschichte einer Familie. 

In VIER LEBEN haben sich die Eltern einer sehr persönlichen Auseinandersetzung gestellt. Offen erzählen sie von ihren Wünschen, Hoffnungen und Erfolgen, aber auch von Enttäuschungen, Zweifeln und den vielen schwierigen Entscheidungen, die sie für ihre Kinder treffen mussten, oft genug gegen die eigenen Widerstände und die von offiziellen Stellen. 
  Die Mutter von Anica (13) brauchte nach der Geburt mehrere Tage, bis sie ihre Tochter akzeptieren und mit nach Hause zu nehmen konnte. „Eines Tages habe ich sie gewickelt und ihr einen Kuss gegeben. Da ist in meinem Herzen etwas passiert, da war sie da.“ Heute freut sie sich über Anicas Selbständigkeit und ist sich sicher, „dass sie früh ausziehen und mit Freunden zusammenleben wird.“ 
  „Geben Sie das Kind in ein Heim. Sie wird nie sitzen, laufen oder gar schreiben und lesen können“, hörte Carinas Mutter 1985 von einem Professor für Medizin. Heute hat Carina (23) ihren Hauptabschluss in der Tasche, spielt Klavier und arbeitet mit dem Computer. 
  Finnian (5) ist „mindestens eineinhalb Jahre zurück“ und hat einen Herzfehler, der vielleicht in Zukunft eine weitere Operation nötig macht. „Entscheidend ist doch“, sagt sein Vater, „dass es ein freudiges, erfülltes Leben sein kann. Und das bekommen wir täglich bestätigt: dass er seiner Umwelt Freude macht und dass er selber Freude hat.“ 
  Jörg (39) ist der Älteste und der Schweigsamste unter ihnen, aber seine Körpersprache verrät sein Talent zum Komödiantischen. Unter der Woche lebt er in einer Lebenshilfeeinrichtung, geht in die Behindertenwerkstatt und hat eine Freundin. Das Wochenende verbringt er noch immer mit seinen Eltern. Seine Mutter erinnert sich noch heute lebhaft daran, wie sie sich dagegen wehrte, ihn in eine Schule für geistig Behinderte zu geben. „Jahrelang sind wir gerannt und hatten alles versucht, Sprachtherapie und alles Mögliche. Da geht es ja wieder retour, wenn er auf so eine Schule kommt, dachte ich damals.“ Jetzt freut sie sich, dass Jörg sich damals auf dieser Schule wohl fühlte. Und im nächsten Bild sieht man ihn heute, beim Kreuzworträtseln im Lese- und Schreibkurs. 

Die Interviews mit den Eltern sind die eine Stärke des Films, alles kommt zur Sprache, nichts wird überdramatisiert. Aber wirklich erhellend, berührend und oft einfach lustig und leicht ist es, den vier Kindern „beim Leben“ zuzusehen. 
 
Vor der Kamera zeigen sie sich selbstbewusst als Persönlichkeiten mit eigenen Interessen, Wünschen und Sehnsüchten. Sie beweisen soziale Kompetenz, musische Fähigkeiten, sowie Ehrgeiz, Hartnäckigkeit, Humor und einen bestechenden Charme: 
 Anica nervt ihre Brüder beim Kartenspiel, weil sie immer gewinnt, und sie gibt die einmal ergatterte Schaukel nicht so leicht wieder her. Mit ihrer Klasse an einer integrativen Schule übt sie ein Tanzstück ein, völlig selbstverständlich und von ihren MitschülerInnen akzeptiert. 
  Jörg träumt davon, ein Geheimagent und stark zu sein. Seinen Colt legt er abends unter das Kopfkissen. Mit seiner Freundin kommt er ganz ohne Worte aus, sie legen einfach die Köpfe aneinander und sind bei sich. 
 Finnian ist mit Eifer dabei, wenn der Spieltherapeut ihm neue Aufgaben stellt, und wenn er mit seinen schönen großen Augen „zaubert“, kann ihm keiner was ausschlagen. Er liebt Bilderbücher, aus denen er mit viel Körpereinsatz „erzählt“. 
  Carina hat Ehrgeiz, beim Sport tobt sie sich aus und ist traurig, wenn ihre „Lauf-Zeiten schlechter“ werden. Sie möchte gern eine Ausbildung machen – und eigentlich auch den Führerschein!

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